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Therapie mit Tieren
Mit dem richtigen Gespür: Therapiehund in der Kinderklinik
Therapiehund Flip ist nicht bloß ein freundlicher und gern gesehener Gast in der Kinderklinik der Universitätsmedizin Essen. Er spürt die Bedürfnisse der kranken und schwerkranken Kinder und geht sensibel auf sie ein. So kann er ihr Wohlbefinden stärken und dabei helfen, den Klinikaufenthalt und die eigene Erkrankung anders zu erleben.
Manchmal ist es ein einziger Moment, der inmitten von Hoffnungslosigkeit einen kleinen Funken Leichtigkeit bringt. So ein Moment war es, als Flip, ein einfühlsamer Therapiehund, die krebskranke Simona in ihrem Patientenzimmer in der Kinderklinik der Universitätsmedizin Essen besuchte. Simona litt an einem Ewing-Sarkom, einem bösartigen Krebs. Sarkome gehören zu den gefährlichsten Krebsarten bei Jugendlichen. Nach einer langen Zeit voller Rückschläge, in denen der Krebs immer wieder kam, und kräftezehrenden Therapien, verbrachte sie ihre letzten Wochen nahezu ausschließlich in der Essener Kinderklinik – oft ohne Kraft, das Zimmer zu verlassen. Doch Flip schaffte es, das Unmögliche möglich zu machen. Als der Hund Simona in ihrem Zimmer besuchte, passierte etwas Wunderbares. Prof. Dr. Michael Schündeln, Oberarzt in der Essener Kinderonkologie, erinnert sich: „Die Freude in ihren Augen, das Lächeln auf ihrem Gesicht und die Entspannung, die Flip ihr schenkte, waren unbeschreiblich. Für eine Weile vergaß sie die Schmerzen, die Sorgen und die Schwere des Alltags.“
Vor Flip gab es Hannibal
Ein Hund als Trostspender, Freund und Lichtblick – diesen Ansatz gibt es in der Kinderklinik der Universitätsmedizin Essen bereits seit längerem. So hat Flip bereits einen Vorgänger, der inzwischen in seinen wohlverdienten Ruhestand gegangen ist. Therapiehund Hannibal konnte aber ebenso für Freude sorgen, wie die folgende Geschichte von Romy zeigt.
Ein ganz besonderer Besuch
Romy blickt gespannt zur Tür und kann es kaum erwarten: Heute ist ein besonderer Tag in der Kinderklinik des Universitätsklinikums Essen, denn Hannibal kommt zu Besuch. Wenn der schwarze Labrador um die Ecke biegt, verändert sich die Stimmung sofort. Denn die Kinder und ihre Angehörigen, Ärzte, Pflegepersonal und Klinikmitarbeiter haben den Therapiehund bereits in ihr Herz geschlossen. „Wenn Hannibal da ist, gehen alle Türen auf, jeder möchte ihn begrüßen, man trifft sich auf dem Flur und kommt ins Gespräch. Dem Hund gelingt es, eine lockere und positive Atmosphäre zu schaffen“, beschreibt Prof. Dr. Michael Schündeln die Besuche des Therapiehundes.


Stärkung des Wohlbefindens durch therapeutischen Einsatz von Hunden
So geht es auch Romy, die sich sofort mit Hannibal angefreundet hat. Das sechsjährige Mädchen strahlt über das ganze Gesicht, als Hannibal endlich da ist. Auch ihre Mutter freut sich, ihre Tochter so glücklich zu sehen. Denn das ist keine Selbstverständlichkeit. Romy ist an einer akuten lymphatischen Leukämie erkrankt. Dabei handelt es sich um eine bösartige Erkrankung des blutbildenden Systems, auch Blutkrebs genannt. Zwei bis drei Mal pro Woche muss das kleine Mädchen in die Kinderklinik, manchmal ist auch ein stationärer Aufenthalt von ein paar Tagen notwendig. Insgesamt dauert die Therapie zwei Jahre, einen Großteil hat Romy schon geschafft.
„Während der Chemotherapie geht es Romy oft nicht gut. Hannibal spürt das sofort. Einmal hat er sich zum Beispiel einfach ganz ruhig zu Romy gelegt. Das war ein unglaublich schönes Erlebnis für meine Tochter und mich“, erinnert sich die Mutter.
Machbarkeit, Wirksamkeit, Sicherheit: Einsatz von Therapiehund wissenschaftlich begleiten
Katja Verführt, Hundetrainerin und Medizinstudentin, bestätigt den positiven Einfluss des Therapiehundes auf die kranken Kinder: „Während einer Chemotherapie haben die Kinder oft keine Kraft, mit Hannibal zu spielen. Es hilft aber schon, wenn Hannibal in diesen Momenten einfach für die Kinder da ist. Bei jedem Besuch schauen wir immer individuell, wie es den Kindern geht, und stimmen die Therapie darauf ab. Bei uns gibt es kein Muss.“
„Schon seit vielen Jahren gibt es den Wunsch, dass ein Therapiehund wie Hannibal die Kinderklinik besuchen darf. Natürlich gibt es strenge Vorschriften, die wir beachten müssen, vor allen Dingen im Bereich der Hygiene, denn das Immunsystem der Kinder ist geschwächt. Umso wichtiger ist es, den Einsatz des Therapiehundes mit einer wissenschaftlichen Studie zu begleiten“, erläutert Michael Schündeln. „Unser Anspruch ist es, die Machbarkeit, Wirksamkeit und Sicherheit des Einsatzes von Therapiehunden bei krebskranken Kindern zu zeigen.“


Ablenkung: Krankheit und Klinikalltag anders erleben
Wenn es Romy besser geht, kann sie mit Hannibal spielen. Das Lieblingsspiel der beiden ist das Hütchenspiel. Romy lächelt verschmitzt, als sie heimlich Möhrenstückchen, Hannibals Leibspeise, unter zwei Hütchen versteckt, die im Raum verteilt aufgestellt sind. Dann ruft sie laut „Such!“ und der Hund stürmt los, um seine Belohnung unter den Hütchen zu finden – mit Erfolg! Als nächstes messen die beiden sogar ihre Kräfte, denn auch der Spaß darf bei einer Therapieeinheit nicht fehlen.
„Es geht nicht darum, die Krankheit zu vergessen oder zu verdrängen. Es ist uns vielmehr ein besonderes Anliegen, mit dem Einsatz des Therapiehundes einen Beitrag zu leisten, dass das Erleben der Krankheit und der Krankenhausaufenthalte für die Kinder ein wenig erträglicher wird. Ich bin mir sicher, dass Hannibal dies oft besser kann, als Ärzte und Pflegepersonal“, so Michael Schündeln zum Abschied.
Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde
„Lara, schon wieder so viele Knotenboten“, lacht Martin, wenn er zusammen mit der Reittherapeutin den Schweif von Pferd Luke bürstet. „Das ist Martins Lieblingsspruch“, weiß sie. „Neben Superheld-Zitaten natürlich!“ Wenn der 6-jährige Martin einmal wöchentlich zur Reittherapie kommt, ist seine schwere Krankheit für kurze Zeit vergessen. Dann zählt nur der Moment. Und diese glücklichen Momente sind sowohl für den lebenslustigen Jungen als auch seine Eltern von enormer Wichtigkeit. „Martin war schon sehr lange nicht mehr in der Kita“, erzählt seine Mutter. „Die Abwechslung und der Kontakt zu den Tieren helfen ihm sehr.“ Martin erhielt vor drei Jahren die Diagnose Neuroblastom, eine Krebserkrankung des Nervensystems. Seither hat er viel Zeit im Krankenhaus verbracht und ist selbst ein kleiner Superheld.


Reiten weckt Hoffnung
„Martin hat in der Kinderklinik der Universitätsmedizin Essen alle Therapien erhalten, die möglich sind“, erzählt seine Mutter. „Chemotherapien, Bestrahlungen und mehrere Stammzelltransplantationen. Jetzt warten wir auf eine neue CAR-T-Zelltherapie, die sich aktuell noch in der Studienphase befindet.“ Martin muss Chemotabletten nehmen, einmal pro Woche kommt ein ambulantes Versorgungsteam aus der Klinik nach Hause und schaut nach dem Rechten. Alle drei Wochen muss Martin zur Kontrolle in die Ambulanz der Klinik. Die Zeit des Wartens kann durch die Reittherapie verkürzt werden. Dabei beobachten seine Eltern und Reittherapeutin Lara Berg große Veränderungen bei Martin.
Lieber große Pferde, statt Ponys
„Als Eltern macht es uns sehr stolz, zu beobachten, wie selbstsicher und selbstständig Martin durch die Reittherapie geworden ist“, freut sich seine Mutter. „Am Anfang hat sich Martin nicht alleine auf die Koppel getraut. Mittlerweile hilft er kräftig beim Putzen von Luke und reitet alleine mit Therapeutin Lara in den Wald.“ Als die Familie Urlaub auf dem Bauernhof gemacht hat, hat Martin sich das große Pferd zum Reiten ausgesucht: „Ponys sind langweilig, Mama!“
Schließlich ist Luke, ein 12 Jahre alter gutmütiger und sanfter Hannoveraner-Mix, auch ein großes Pferd. Und bestens geschult im Umgang mit kranken oder traumatisierten Kindern. Genau wie seine Besitzerin, Lara Berg. Die junge Frau ist ausgebildete Reittherapeutin und hat sich mit ihrer Selbstständigkeit einen Traum erfüllt.

Hilfe für Körper, Geist und Seele

Zur Reittherapie ist sie durch ein persönliches Erlebnis gekommen: „Ich habe ein Mädchen mit posttraumatischer Belastungsstörung kennengelernt, das durch den Umgang mit den Pferden gelernt hat, viel besser mit ihrer Situation umzugehen.“ Jetzt hilft Lara Berg mit ihren Pferden Kindern wie Martin. „In den Therapiestunden können die Kinder zur Ruhe kommen. Sie können loslassen, müssen nicht funktionieren und dürfen einfach Kind sein“, erzählt sie. Neben den Wohlfühleffekten für Geist und Seele, helfe die Reittherapie auch bei körperlichen Einschränkungen. „Durch seine Erkrankung können bei Martin lokale Gesichtsausfälle auftreten, so dass er Unebenheiten auf dem Boden schlechter erkennen kann“, erklärt die Reittherapeutin. Mittlerweile kennt sich Martin auf dem Hof aus. Seine Bewegungen sind selbstsicherer geworden, seine Muskeln durch das Reiten gestärkt. Als Lara ihn fragt, ob sie auch bei Regen in den Wald reiten wollen, kommt Martins Antwort wie ein Blitz: „Na klar!“
Jede Spende hilft!
In den USA hat sich der therapeutische Einsatz von Hunden in der Kinderonkologie bereits bewährt. Begleitende Studien, wie diejenige, die nun am Universitätsklinikum Essen durchgeführt wird, gibt es aber bisher kaum. Von Beginn an stand daher für Michael Schündeln und sein Team fest, diese Brücke zwischen Krankenversorgung und Forschung bauen zu wollen. Um die Therapie mit Tieren, wie die Arbeit mit dem Therapiehund oder die Reittherapie, die über die medizinische Grundversorgung hinausgehen und nur dank Spenden möglich sind, realisieren zu können, brauchen wir Ihre Unterstützung.
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