Bewegungstherapie Erwachsene

Fit bei Krebs und in der Palliativversorgung

Es begann mit immer stärker werdenden Schmerzen, die schließlich in den Unterleib ausstrahlten. Für Gabriele Müller war klar, dass etwas nicht stimmte. Eine CT-Untersuchung und eine Magenspiegelung brachten die schockierende Diagnose: Bauchspeicheldrüsenkrebs mit einer Metastase im Bauchfell. Eine Operation war nicht mehr möglich. „Von einem auf den anderen Moment war das bisherige Leben vorbei“, erinnert sich die 62-jährige Prokuristin. „Meine erste Frage war, wie lange ich noch zu leben habe. Eine Frage, die ich mir zuvor nie gestellt hatte.“

Obwohl die Ärzte um den Onkologen Prof. Dr. Jens Siveke ihr keine Heilung versprechen konnten, gaben sie ihr Hoffnung. „Sie sagten mir, dass vieles möglich sei, selbst bei einer solch schweren Erkrankung“, berichtet Gabriele Müller. Eine Kombination aus Chemo- und Immuntherapie wirkte zunächst gut: Tumor und Metastase bildeten sich etwas zurück. Doch dann kam der Rückschlag: Aufgrund einer Corona-Erkrankung musste sie die Therapie aussetzen. Sie nahm stark ab, verlor ihre Haare und fühlte sich nur noch schwach.

Neuer Mut durch Bewegungstherapie

In dieser Phase erhielt Gabriele Müller den Vorschlag, an der Bewegungstherapie bei Sporttherapeut Nico De Lazzari teilzunehmen. „Am Anfang wäre ich fast vom Rad gekippt“, erzählt sie. „Ich hatte drei Monate kaum etwas gegessen und wog nur noch 56 kg. Doch bereits nach kurzer Zeit merkte ich erste Veränderungen. Ich fühlte mich kräftiger, konnte länger auf den Beinen bleiben und war nicht mehr so schnell außer Atem. Selbst eine halbe Stunde spazieren gehen war plötzlich wieder möglich.“ Seitdem trainiert sie regelmäßig – zunächst zwölf Wochen in der Klinik und später mit Therabändern zu Hause. Einmal in der Woche besucht sie noch immer das Training bei Nico De Lazzari und ist beeindruckt, wie sehr ihr der Sport hilft. „Ich bin stabiler und selbstbewusster geworden. Ich fühle mich nicht mehr so hilflos. Das bewegt innerlich mehr, als ich jemals gedacht hätte.“

Gabriele Müller lebt nun schon eine Weile mit ihrer Erkrankung. Zwar ist der Tumor nicht heilbar, aber ihre Werte sind stabil.

„Ich habe gelernt, mit meiner Erkrankung umzugehen. Das macht mich zuversichtlich“, sagt sie.

Ähnlich wie Gabriele Müller konnte auch Reinhard Henkel durch die Bewegungstherapie neue Kraft schöpfen. Als er zur palliativmedizinischen Versorgung in die Klinik kam, hatte er kaum noch Geschmackssinn, aß sehr wenig und fühlte sich kraftlos. Bei ihm begann alles vorsichtig – mit Luftballon-Jonglieren, leichten Ergometer-Einheiten und anschließendem Training mit Theraband und Hanteln in verschiedenen Gewichtsklassen. „Ich habe schnell gemerkt, wie sehr mir diese moderaten Übungen helfen, wieder auf die Beine zu kommen und meine Kräfte neu zu mobilisieren“, erzählt er.

Bewegungstherapie als Gewinn an Lebensqualität

Ziel der Bewegungstherapie ist es, die Lebensqualität von schwer erkrankten Patientinnen und Patienten zu verbessern. Sie kann Selbstständigkeit und Wohlbefinden der Betroffenen fördern.

Die Erfahrung der Betroffenen bestätigt, dass selbst geringe Bewegungseinheiten das körperliche und seelische Gleichgewicht positiv beeinflussen können. Wer sich trotz Schwäche und Fatigue traut, aktiv zu bleiben, gewinnt ein Stück Lebensqualität zurück. Und genau diese Lebensqualität kann man mit der Familie und den Freunden teilen.

Forschung und Fortbildung für eine bessere Zukunft

Um die wirksamsten Methoden zu finden, werden zwei Forschungsprojekte durchgeführt: Zum einen wird erforscht, ob gezieltes Kraft- und Ausdauertraining den krebsbedingten Gewichtsverlust bei Patienten mit fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsen- und Gallengangskarzinom bremsen kann. Zum anderen untersucht ein weiteres Projekt, inwiefern künstliche Intelligenz das Training für Betroffene mit Fatigue-Syndrom noch individueller gestalten kann. Darüber hinaus fließen die Erkenntnisse aus dem elektronischen psychoonkologisch-palliativmedizinischen Screening (ePOS) direkt in die palliativmedizinische Versorgung ein, sodass Patientinnen und Patienten auch bei hoher Symptomlast bestmöglich unterstützt werden.

Helfen Sie mit Ihrer Spende

Zusätzliche Angebote, wie die Bewegungstherapie, sind ein wichtiger Bestandteil der onkologischen und palliativmedizinischen Versorgung – sie werden jedoch durch die gesetzliche Finanzierung nicht abgedeckt und sind daher dringend auf Spenden angewiesen. Jeder Beitrag zählt und trägt dazu bei, dass Menschen wie Gabriele Müller und Reinhard Henkel trotz schwerer Erkrankung mehr Lebensqualität erfahren, neue Kraft schöpfen und wieder Zuversicht finden können.

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