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Transplantationsforschung: Neues Leben schenken
Nikita war erst zehn Monate alt, als bei ihm aus heiterem Himmel die Leber versagte. Der kleine Junge wurde plötzlich ganz gelb. „Wir sind sofort mit ihm in eine Kölner Kinderklinik gefahren“, erzählt seine Mutter, Xania Hlapov (23). Seine einzige Rettung war eine neue Leber. In Westen Deutschlands ist das Uniklinikum Essen die einzige Einrichtung, die eine solche Transplantation bei Kindern durchführt.

In enger Kooperation mit den Kinderärzten haben bereits über 250 kleine Patienten am Uniklinikum Essen eine Lebertransplantation überstanden. Der Einriff fordert einen hohen Spezialisierungsgrad nicht nur für die Chirurgie und Pädiatrie, sondern auch für die Anästhesie. „Nikita ist auf die Spenderliste gekommen und hatte das große Glück, rechtzeitig eine Leber zu bekommen“, sagt seine Mutter. Sie ist dem Organspender unendlich dankbar, dass ihr kleiner Sohn weiterleben darf.

Über 2.100 Patientinnen und Patienten in Deutschland warten dringend auf eine Spenderleber, doch nur rund 1.100 Betroffene können jährlich operiert werden. Nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder sind auf eine Organtransplantation angewiesen, um angeborene Stoffwechselerkrankungen oder Fehlanlagen der Gallenwege zu behandeln. Um den Pool der Organspender zu erweitern und damit mehr Patienten helfen zu können, hat Dr. Zoltan Mathé (45) eine neue Konservierungsmethode entwickelt. Mit diesem innovativen Verfahren kommen auch Spenderlebern mit akuten Vorschäden für eine Transplantation in Betracht. Denn nicht immer sind die Spenderorgane in einem guten Zustand wie in Nikitas Fall.

Neue Konservierungsmethode
Bisher werden die Lebern nach ihrer Entnahme in einer speziell dafür entwickelten Lösung bei 4°C konserviert. Das ist aber für vorgeschädigte Organe nicht immer ausreichend: „In Voruntersuchungen konnten wir zeigen, dass eine kontinuierliche Durchströmung der Leber in der Konservierungsphase mit zunehmend erwährmter und mit Sauerstoff angereicherter Lösung die Leberfunktion nach der Transplantation deutlich verbessern kann“, erklärt der gebürtige Ungar Mathé die vielversprechende Technik. Sollte sich die mit Sauerstoff angereicherte Erwärmung bewähren, könnten die Spenderkriterien erweitert werden und auch grenzwertige Organe von älteren oder kranken Spendern zum Einsatz kommen.

Mittels einer "Perfusionsmaschine" wird die Leber für ein bis zwei Stunden mit der warmen Lösung durchströmt. Diese veränderte Konservierungsmethode ermöglicht eine Revitalisierung und bessere Durchblutung des Gewebes. Die langsam bis auf 20°C gesteigerte Temperatur und der Sauerstoff scheinen dem Organ gutzutun: Die Leber nimmt bereits ihre Funktion auf, was wichtige Rückschlüsse auf ihre spätere Funktionsfähigkeit erlaubt. Zunächst ist die Anwendung bei insgesamt sechs Patienten geplant. „Nach bisherigem Kenntnisstand gibt es keine zusätzlichen Risiken, sondern nur deutliche Vorteile für die Patienten“, sagt Dr. Mathé.
Führend in der Transplantationsmedizin
Neue Erkenntnisse und Verfahren erlauben der heutigen Transplantationsmedizin Erfolge, die vor Jahren noch nicht vorstellbar gewesen wären. „Die systematische Stärkung und Entwicklung dieses klinischen und wissenschaftlichen Schwerpunktes hat sich ausgezahlt“, ist Klinikleiter Prof. Dr. Paul überzeugt. Bereits 1987 erfolgte die erste Lebertransplantation in Essen. Seit dieser Zeit ist das Universitätsklinikum in diesem Bereich sowohl national als auch international führend. Über 2.000 Lebern sind in Essen bereits verpflanzt worden. Die Qualität der Operationen steigt weiter kontinuierlich an, die Überlebensrate nach Operationen ebenso. Dass dies so ist, liegt sicherlich auch an der engen Kooperation vieler hochkarätiger Experten wie Chirurgen, Gastroenterologen, Nephrologen, Pädiatern, Anästhesisten und Radiologen.

Aufgrund des erheblichen Mangels an geeigneten Lebern hat sich Essen auf die Lebendspende spezialisiert. So kann die Wartezeit auf ein Minimum von wenigen Wochen verkürzt werden. Auf der Suche nach neuen Forschungsresultaten arbeitet eine klinische Forschergruppe an der Optimierung dieses lebensrettenden Verfahrens. Einem nahen Angehörigen wird dabei ein Teil seiner eigenen Leber entnommen. Eine Besonderheit des zentralen Stoffwechsel-organs ist, dass es sich selbst erneuern und eigenes Gewebe bilden kann. Ein Drittel Leber reicht für eine Transplantation.

„Die Anfangsphase eines Forschungs-projekts ist immer die schwierigste. Ohne die Unterstützung der Stiftung Universitätsmedizin könnten viele gute Ideen nicht umgesetzt werden“, sagt Stiftungsvorstand Prof. Dr. Ursula Felderhoff-Müser. Mit einer Anschubfinanzierung in Höhe von 20.000 Euro können jetzt die notwendigen sterilen Einmal-Sets zur Leberperfusion sowie Katheter, Anschlussstücke und Labormaterial angeschafft werden. Bei Therapieerfolg werden die Ergebnisse in einer kontrollierten Studie überprüft und veröffentlicht.

Nikita ist jetzt zwei Jahre alt und flitzt wie ein Wirbelwind durch das Spielzimmer der Essener Kinderklinik. Alle vier Wochen muss er zur Nachuntersuchung. In den ersten beiden Jahren nach der Operation kann es noch zu Anpassungsschwierigkeiten kommen, deshalb müssen die Blutwerte regelmäßig kontrolliert werden. Auch diesmal kann die junge Familie aufatmen – es ist alles in Ordnung.

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